Der Grüne Star (Glaukom)

 

Beim Glaukom (Grüner Star) handelt es sich um eine Erkrankung des Sehnerven, bei dem es zu einem Verlust von Nervenfasern kommt. Da der Sehnerv die Verbindung zwischen dem Auge und dem Gehirn darstellt, kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einer Einschränkung der Sehfunktion. Hierbei kommt es zunächst zu einer Schädigung des peripheren Sehens (peripheres Gesichtsfeld), die von den Patienten häufig erst sehr spät wahrgenommen wird.

Bei einer sehr fortgeschrittenen Erkrankung kann es auch zu einer starken Beeinträchtigung der Sehschärfe bis hin zur Erblindung kommen. In der Regel kann das bei den meisten Glaukompatienten bei rechtzeitigem Erkennen der Erkrankung und entsprechender Therapie die Sehfunktion erhalten werden.

Aus diesem Grund sollte jeder Mensch ab dem 40. Lebensjahr im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung ein Glaukom ausschließen lassen. Liegen bereits bekannte Risikofaktoren für die Glaukomerkrankung vor, sollte eine Kontrolle beim Augenarzt zeitnah zu jedem früheren Zeitpunkt durchgeführt werden. Als Risikofaktoren bezeichnet man Faktoren, die die Entstehung eines Glaukoms begünstigen.

 

 

 

Glaukom-Formen

Primär chronisches Offenwinkelglaukom (PCOWG)

Es gibt unterschiedliche Formen der Glaukomerkrankung. Wenn allgemein in Deutschland von Glaukom gesprochen wird, spricht man vom sogenannten primär chronischen Offenwinkelglaukom (PCOWG). Alternativ wird auch vom Glaucoma chronicum simplex oder auch –etwas salopp- vom Offenwinkelglaukom gesprochen. Beim primär chronischen Offenwinkelglaukom liegt eine Störung des Kammerwasser-Abflusses vor.
Im Auge wird kontinuierlich Flüssigkeit gebildet (Kammerwasser), das über das sogenannte Trabekelmaschenwerk und dem dahinterliegenden Schlemm`schen Kanal aus dem Auge abfließt. Hier entsteht ein Fließ-Gleichgewicht, so dass bei jedem Menschen ein gleichbleibendes Augeninnendruckniveau erreicht wird. Beim primär chronischen Offenwinkelglaukom ist dieser Abfluss im Trabekelmaschenwerk gestört. Man kann sich das Trabekelmaschenwerk wie eine Kaffee-Filtertüte vorstellen, über das die Flüssigkeit abfließen muss. Beim primär chronischen Offenwinkelglaukom ist die Porengröße vermindert und dadurch entsteht ein erhöhter Abflusswiderstand. Es kann nun weniger Flüssigkeit aus dem Auge abfließen und es kommt zu einer Erhöhung des Augeninnendruckes. Der Augeninnendruck ist bei den meisten Menschen in einem  Bereich zwischen 10 und 21 mmHg. Bei dem primär chronischen Offenwinkelglaukom ist der Augeninnendruck höher als 21 mmHg. Der Augeninnendruck kann z.B. Druckwerte von 25 oder 30 mmHg annehmen. Dies wird von dem Patienten jedoch nicht bemerkt. Ein Augeninnendruck in dieser Höhe macht noch keine Sehverschlechterung und ist nicht schmerzhaft. Erst wenn durch einen erhöhten Augeninnendruck über einige Jahre viele Nervenfasern abgestorben sind, kommt es zu den beschriebenen Funktionsausfällen.
 


Okuläre Hypertension

Bei der okulären Hypertension besteht ein erhöhter Augeninnendruck über 21 mmHg, ohne dass jedoch eine Schädigung des Sehnervens eingetreten ist. Das heißt, das Auge ist gegen den Augeninnendruck widerstandsfähiger als andere Augen. Demnach muss ein erhöhter Augeninnendruck alleine nicht zwingend zu einer Glaukomerkrankung führen. Man weiß jedoch, dass ein Drittel der Patienten, die einen Augeninnendruck über 25 mmHg aufweisen, innerhalb von fünf Jahren ein Glaukom entwickeln. Aus diesem Grunde handelt es sich bei den Patienten mit einer okulären Hypertension um Hochrisikopatienten, die engmaschig durch den Augenarzt kontrolliert werden müssen.
 


Normaldruckglaukom oder Niederdruckglaukom

Beim Normaldruckglaukom besteht ein Augeninnendruck, der sich immer im Normbereich befindet. Das heißt, die Patienten haben nie höhere Augendruckwerte als 21 mmHg, haben aber trotzdem einen Glaukomschaden entwickelt. Das Auge ist also für den Augeninnendruck empfindlicher als andere Augen. Diese erhöhte Empfindlichkeit kann durch das Vorliegen von anderen Risikofaktoren, wie z.B. Durchblutungsstörung, hohe Myopie etc. verursacht werden. Das Normaldruckglaukom kann demnach nicht durch eine Messung des Augeninnendruckes erkannt werden, sondern nur durch eine Beurteilung des Sehnerven oder –in späteren Krankheitsstadien- auch der Sehfunktion.
 


Winkelblockglaukom (akuter Glaukomanfall)

Beim Winkelblockglaukom handelt es sich in der Regel um ein sogenanntes akutes Winkelblockglaukom, das heißt, es kommt akut zu einer Verlegung des Abflussweges. Im Gegensatz zu anderen Glaukom-Formen handelt es sich hier um ein hochdramatisches und sehr schmerzhaftes Ereignis. Durch die akute Abflussstörung kommt es zur Drucksteigerung auf 60 mmHg oder höher. Die Patienten klagen über eine Sehverschlechterung, Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Hierbei handelt es sich um eine echte Notfallsituation. Durch medikamentöse Drucksenkung muss der Augeninnendruck kurzfristig gesenkt werden. Im Anschluss daran muss durch eine Laserbehandlung (YAG-Iridotomie) oder eine kleine Operation (chirurgische Iridektomie) dafür gesorgt werden, dass die Flüssigkeit im Auge richtig zirkulieren und entsprechend abfließen kann. Das akute Winkelblockglaukom (akuter Glaukomanfall) tritt in der Regel auf einem Auge auf. Da aber das andere Auge ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Glaukomanfalles hat, muss auch hier für eine verbesserte Zirkulation und Abfluss gesorgt werden (YAG-Iridotomie oder chirurgische Iridektomie).
Risikofaktoren für die Entstehung eines akuten Winkelblockglaukoms sind ein erhöhtes Alter, eine hohe Weitsichtigkeit (Plus-Dioptrien), ein kurzes Auge mit flacher Vorderkammer, Aufregung und Medikamente, die zu einer Erweiterung der Pupille führen.
 


Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom)

Beim Pseudoexfoliationsglaukom handelt es sich um ein sogenanntes sekundäres Offenwinkelglaukom. Dabei wird in dem Auge eine staubähnliche Substanz produziert, die sich auf der Linsenvorderfläche und in den Abflusswegen ablagert. Dadurch kommt es zu einer Verstopfung des Trabekelwerks und zu einem Anstieg des Augeninnendruckes. In der Regel ist das Pseudoexfoliationsglaukom an einem Auge stärker ausgeprägt als an dem anderen. Es sind nicht selten Druckwerte von 35 bis 45 mmHg zu beobachten. Diese Druckwerte verursachen beim Patienten in der Regel noch keine Schmerzen und werden nicht selbst bemerkt. Die Behandlung des Pseudoexfoliationsglaukom entspricht der des primär chronischen Offenwinkelglaukoms. In der Regel sind ältere Menschen betroffen.
 


Pigmentdispersionsglaukom

Das Pigmentdispersionsglaukom ist ebenfalls ein sekundäres Offenwinkelglaukom. Betroffen sind in der Regel jüngere Männer. Bei dieser Erkrankung wird das Pigment von der Rückfläche der Iris vom Halteapparat der Linse abgescheuert. Diese kleinen Pigment-Körnchen verstopfen dann das Trabekelmaschenwerk. Dadurch kommt es zur Augeninnendrucksteigerung. Häufig treten akute Augeninnendrucksteigerungen nach körperlicher Betätigung auf. Es werden dann bunte Ringe (sogenannte Halos) um Lichtquellen wahrgenommen.
 


Neovaskularisationglaukom

Hierbei handelt es sich in der Regel um ein sekundäres Offenwinkelglaukom. Im fortgeschrittenen Stadium kann auch hier ein sekundäres Winkelblockglaukom entstehen. Bei allen Erkrankungen, bei denen es zu einer verminderten Durchblutung des Auges oder zu einem Sauerstoffmangel des Auges kommt, werden im Auge neue Blutgefäße gebildet. Diese Blutgefäße entwickeln sich jedoch an Stellen, wo sie normalerweise nicht hingehören. So können Blutgefäße auf der Iris entstehen, die in den Kammerwinkel wachsen, sich vor das Trabekelmaschenwerk legen und somit zu einer Erhöhung des Augeninnendruckes führen.
 

Glaukomdiagnostik

Da es sich beim Glaukom um eine Erkrankung des Sehnerven handelt, muss der Sehnerv untersucht werden, um die Diagnose Glaukom stellen zu können. Der Sehnervenkopf (Papille) zeigt bei der Glaukomerkrankung Veränderungen, die für diese Erkrankung typisch sind. So kommt es zu einer Ausdünnung der Nervenfasern, die in der Netzhaut und im Bereich des Sehnervenkopfes erkannt werden können. Dank modernster Medizintechnik (HRT, GDxPRO, OCT) können diese Veränderungen bereits in sehr frühen Stadien der Erkrankung erkannt werden, weit bevor das Auge funktionelle Schäden aufweist. Voraussetzung ist aber natürlich der Gang zu Augenarzt, damit diese Vorsorgeuntersuchungen auch durchgeführt werden können.
Zusätzlich sollten bei einem Glaukomverdacht alle Risikofaktoren, insbesondere der Augeninnendruck und die Hornhautdicke bestimmt werden. Um festzustellen, ob im Rahmen der Glaukomerkrankung schon eine Störung der Funktion aufgetreten ist, sollte eine Gesichtsfeldprüfung erfolgen.
 

Morphologische Diagnostik 

 

Biomikroskopie

Der Augenarzt kann durch das Untersuchungsmikroskop (Spaltlampe) den Augenhintergrund, insbesondere den Sehnervenkopf und die Nervenfaserschicht beurteilen. Dies kann bei neutraler Pupille geschehen. Häufig ist aber eine Erweiterung der Pupille erforderlich, um einen besseren Einblick zu haben und damit die Beurteilung besser durchführen zu können.

 

 

 

Heidelberg Retinatomograph (HRT)

Der HRT ist ein Laserscanner, mit dem die Oberflächenkonfiguration des Sehnervenkopfes im hundertstel Millimeterbereich dreidimensional dargestellt werden kann. In dieser dreidimensionalen Darstellung sind meist auch sehr frühe Veränderungen am Sehnerv sichtbar, die sonst kaum darstellbar sind. Die Stärke der HRT-Untersuchung liegt vor allen Dingen in der Verlaufsbeurteilung. Durch Vergleich von Untersuchungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten können bereits feinste Veränderungen erkannt werden, die bei normaler klinischer Untersuchung (Biomikroskopie) noch nicht auffallen. Die Vermessung mit dem HRT ist berührungslos und völlig schmerzfrei. In der Regel ist auch keine Pupillenerweiterung zu der nur wenige Sekunden dauernden Messung notwendig. Ein Risiko besteht dabei für das Auge nicht.

 


Vermessung der Nervenfaserschichtdicke (GDxPRO)

Das GDxPRO ist ein Laserpolarimeter. Mit diesem Gerät kann –vereinfacht gesagt- die Dicke der Nervenfaserschicht bestimmt werden. Bei genauerer Betrachtung wird durch diese Messmethode jedoch nicht die reine Dicke, sondern speziell der Anteil der Nervenfasern vermessen, die für eine gesunde Funktion der Nervenfasern verantwortlich sind. Das Gerät ist vor allen Dingen in der Frühdiagnostik des Glaukoms geeignet, um zu entscheiden, ob bereits Schäden im Auge vorliegen. Die Vermessung mit dem GDxPRO ist ebenfalls berührungslos und völlig schmerzfrei. In der Regel ist auch keine Pupillenerweiterung zu der nur wenige Sekunden dauernden Messung notwendig. Ein Risiko besteht dabei für das Auge nicht.
 

 

Optische Kohärenztomographie (OCT)

Die Optische Kohärenztomographie kann die unterschiedlichen Netzhautschichten hoch auflösend darstellen. Dadurch kann auch die vom Glaukom betroffene Nervenfaserschicht extrahiert dargestellt werden. Mit dieser Messmethode können insbesondere Nervenfaserschäden auffallen, die wegweisend für eine Frühdiagnostik des Glaukoms sind und damit helfen zu entscheiden, ob bereits Glaukomschäden vorliegen oder nicht.
Die Messung mit dem OCT ist, wie auch bei HRT und GDxPRO, berührungslos und völlig schmerzfrei. In manchen Fällen ist aber eine Pupillenerweiterung zu der nur wenige Sekunden dauernden Messung notwendig. Ein Risiko besteht dabei für das Auge nicht.

 

Bestimmung von Risikofaktoren

Augeninnendruck

Ein zu hoher Augeninnendruck begünstigt die Entstehung eines Glaukoms. Er ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukomschadens. Es gibt keine absoluten Zahlen, bei dem man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass ein Glaukomschaden entsteht. Man geht vielmehr davon aus, dass jedes Auge einen bestimmten, individuellen Augeninnendruck verträgt. Der Augenarzt legt den entsprechenden Druckbereich fest, bei dem er davon ausgeht, dass kein weiterer Schaden entsteht. Hier spricht man auch vom sogenannten Zieldruck.

Der Augeninnendruck wird in der Regel mit dem Applanationstonometer nach Goldmann bestimmt. Dabei berührt ein kleiner Messkolben die vorher mit einem Augentropfen betäubte Hornhaut (Abb. 4 und 5). Der Gegendruck des Kolbens, der für eine vordefinierte Berührungsfläche notwendig ist, wird in den Augendruck umgerechnet. Die Einheit des Augendrucks wird in „Millimeter Quecksilbersäule“ (mmHg) angegeben.

 

Etwasweniger präzise, dafür aber schnell und berührungslos, ist die Messung mit einem Luftstoss, dessen verformende Wirkung auf die Hornhaut mit Licht vermessen und in den Augendruck umgerechnet wird.
Der Augeninnendruck ist im Tagesverlauf nicht konstant und unterliegt individuell kleinen oder großen Schwankungen. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, den Augeninnendruck über 24 Stunden in regelmäßigen Abständen zu messen.

 

 

Hornhautdicke

Eine dünne Hornhaut ist ein Risikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms. Sie kann in kürzester Zeit berührungslos gemessen werden (Pachymetrie). Ferner beeinflusst die Hornhautdicke die Augendruckmessung: bei dickerer Hornhaut wird der Augendruck falsch zu hoch, bei dünnerer Hornhaut der Druck falsch zu niedrig gemessen.

 

Alter

Das Glaukom kommt gehäuft bei älteren Menschen vor. Es gibt aber auch Glaukomformen bei Kindern oder jungen Erwachsenen.

 

Vererbung

Menschen mit direkten Verwandten, die an einem Glaukom erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko, selbst an einem Glaukom zu erkranken.

 

Durchblutung

Neben einem erhöhten Augeninnendruck kann auch eine schlechte Durchblutung des Sehnerven zu einem Glaukomschaden führen. Zu einer schlechten Augendurchblutung kommt es vor allem bei zu niedrigem Blutdruck, aber auch einem zu hohen Blutdruck, Migräne und Vasospasmen.

 

Kurzsichtigkeit

Eine hohe Kurzsichtigkeit (ab -5 Dioptrien) ist ein Risikofaktor für eine Glaukomerkrankung. Die Ursache für den Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Glaukom liegt in der Instabilität der Augenhüllle, die damit zur Schädigung des Sehnerven beiträgt.

 

Schlafapnoesyndrom

Bei starkem Schnarchen, insbesondere zwischenzeitlichem Aussetzen der Atmung, kommt es zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Sehnerven. Dies begünstigt auch die Entstehung eines Glaukoms.

 

Ethnische Herkunft

Es ist bekannt, dass vor allem Schwarzafrikaner ein erhöhtes Risiko für eine Glaukomerkrankung haben.

 

Funktionsdiagnostik

Standard-Gesichtsfeldmessung (Weiß-Weiß-Perimetrie)

Bei der Weiß-Weiß-Perimetrie wird ein heller Lichtpunkt nacheinander an unterschiedlichen Stellen einer Halbkugel projiziert. Sobald der Patient diesen Lichtpunkt wahrnimmt, drückt er einen Knopf als Nachweis, dass er diesen Punkt gesehen hat. Jeder Lichtpunkt entspricht einer bestimmten Stelle auf der Netzhaut des Patienten. So kann untersucht werden, ob bereits funktionelle Schäden z.B. im Rahmen einer Glaukomerkrankung aufgetreten sind. Bei dieser Untersuchung wird jedes Auge einzeln geprüft.
 

Frequenz-Verdopplungs-Perimetrie

Bei der Frequenz-Verdopplungs-Perimetrie handelt es sich um einen Funktionstest, der in der Regel früher anschlägt als die Weiß-Weiß-Perimetrie. Statt eines Lichtpunktes wird hier ein Flimmerstreifenmuster als Reiz dargeboten. Der Ablauf entspricht ansonsten dem der Weiß-Weiß-Perimetrie.

 

Blau-Gelb-Perimetrie

Bei der Blau-Gelb-Perimetrie wird ein wechselnd heller, blauer Punkt auf eine hellgelb ausgeleuchtete Hohlkugel projiziert. Ansonsten ist die Untersuchung ähnlich wie die bei der Weiß-Weiß-Perimetrie. Sie ist in der Regel für jüngere Patienten und solche, bei denen keine Linsentrübung vorliegt, geeignet. Sie zeigt in der Regel auch zeitlich vor der Weiß-Weiß-Perimetrie Veränderungen.
 

Therapie

Die Behandlung des Glaukoms besteht in der Regel aus der Senkung des Augeninnendruckes. Es wird zunächst versucht, mit Augentropfen den Augeninnendruck zu senken. Alternativ kann auch erwogen werden, mit Hilfe eines milden Laserverfahrens (selektive Lasertrabekuloplastik) den Abfluss des Auges zu verbessern und somit den Augeninnendruck zu senken. Sollte es nicht möglich sein, den Augeninnendruck mit Augentropfen ausreichend zu senken, muss eine Operation durchgeführt werden.
 


Medikamentöse Augeninnendrucksenkung

Es gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Tropfen, um den Augeninnendruck zu senken. Prinzipiell kann dazu entweder der Abfluss verbessert oder die Kammerwasser-Produktion reduziert werden. In der Regel wird die Behandlung zunächst mit nur einem Augentropfpräparat begonnen (ein Wirkstoff). Sollte die Senkung des Augeninnendruckes mit diesem einen Präparat nicht ausreichen, können auch mehrere Wirkstoffe kombiniert werden. Unter einer maximalen medikamentösen Augentropfentherapie versteht man in der Regel die Gabe von zwei unterschiedlichen Augentropfpräparaten (mit insgesamt maximal drei Wirkstoffen).
 


Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT)

Bei der selektiven Lasertrabekuloplastik wird das Trabekelmaschenwerk mit einem Laserstrahl belichtet. Hierdurch kommt es innerhalb einiger Zeit zu Umbauvorgängen im Trabekelmaschenwerk, so dass die Porengröße im Gewebe etwas zunimmt und damit der Abfluss verbessert wird. Die Selektive Lasertrabekuloplastik ist ein sehr mildes Verfahren. Sie kann entweder am Beginn einer Glaukomtherapie anstelle von Tropfen eingesetzt werden oder auch zusätzlich zur Augentropfengabe, um den Augeninnendruck noch weiter abzusenken. Sollte der Effekt des Lasereingriffs im zeitlichen Verlauf nachlassen, kann die Behandlung  wiederholt werden.
 


Trabekulektomie (Filterkissenoperation)

Die Trabekulektomie ist das Standardverfahren zur operativen Behandlung des Glaukoms. Hierbei wird eine Art Überdruckventil in die Augenwand präpariert: im Bereich der Augenwand (unterhalb des Oberlides) wird ein wenige Millimeter großes Loch in der Augenwand angelegt, das mit einem Deckelchen der Lederhaut gedeckt wird. Dadurch kann bei erhöhtem Augeninnendruck die Flüssigkeit aus dem Auge abfließen. Die Flüssigkeit fließt dann unter die Bindehaut, so dass sich hier ein sogenanntes Sickerkissen (= Filterkissen)  bildet. Da das Sickerkissen in der Regel unter dem Oberlid verschwindet, besteht in der Regel keine kosmetische Beeinträchtigung. Die Hauptkomplikation nach der Trabekulektomie ist, dass sich das neu angelegte Loch wieder verschließt. Aus diesem Grund versucht man, die Wundheilung in dem Bereich zu reduzieren, so dass das Loch offen bleibt. Deshalb wird während der Operation ein Medikament (MMC = Mitomycin C) für einen kurzen Zeitraum aufgetragen, um die Vernarbung zu verhindern.
 


Canaloplastik

Bei der Canaloplastik (auch Fadenoperation genannt) wird der natürliche Abfluss des Auges verbessert. Hierbei handelt es sich um ein Operationsverfahren, bei dem der Augapfel selber nicht eröffnet wird. Aus diesem Grund spricht man auch von einer nichtpenetrierenden Glaukomoperation. Während der Operation wird mit einem Mikrokatheter der Schlemm`sche Kanal mit einem Gel aufgedehnt und ein feiner Faden in den Kanal eingezogen und angespannt. Dadurch wird das Trabekelmaschenwerk aufgedehnt und der Abfluss verbessert. Die Canaloplastik ist ein Alternativverfahren zur Trabekulektomie mit einem günstigern Risikoprofil. In der Regel können mit dieser Operation nicht ganz so niedrige Augeninnendruckwerte wie mit der Trabekulektomie allein erzielt werden. Deshalb kann die weitere Gabe von Augentropfen erforderlich sein.
 


Drainageimplantate

Wenn keine ausreichende Drucksenkung mit Medikamenten oder der Trabekulektomie bzw. Canaloplastik erzielbar ist, sollte ein Drainageimplantat eingesetzt werden. Bei dieser Operation wird ein winziges Silikonschläuchlein in die Vorderkammer eingeführt, über das die Flüssigkeit aus dem Auge abfließen kann. Am anderen Ende des Schläuchleins ist eine Platte angebracht, die auf die Augenwand aufgenäht wird. Um diese Platte entsteht in den nächsten Wochen und Monaten nach der Operation eine bindegewebige Kapsel, die letztendlich das zu erreichende Druckniveau bestimmt. Diese Kapsel hat in der Regel nach zwei bis drei Monaten die größte Dicke ereicht, sodass eventuell vorübergehend wieder Augentropfen genommen werden müssen. Im weiteren Verlauf kommt es in der Regel jedoch zu einer Ausdünnung dieser Kapsel, so dass der Augeninnendruck dann wieder absenkt. Es gibt Drainage-Implantate mit Ventil (Ahmed-Drainage-Implantat) und Drainage-Implantate ohne Ventil (Baerveld-Implantat).
 


Zyklophotokoagulation

Bei der Zyklophotokoagulation wird mit Hilfe eines Laserstrahls der Ziliarkörper (die Drüse, die die Flüssigkeit im Auge produziert) verödet. Prinzip der Operation ist, mit Hilfe des Lasers dadurch die Menge an Drüsengewebe zu verringern unter der Vorstellung, dass weniger Drüsengewebe auch weniger Flüssigkeit produziert. Die Zyklophotokoagulation ist deutlich verträglicher als die früher durchgeführte Zyklokryokoagulation (Vereisung des Ziliarkörpers). Bei der Zyklophotokoagulation ist der Effekt in der Regel nicht sofort nach der Operation da.  Es bedarf einiger Wochen, bis sich in den Bereichen, in denen der Laser das Gewebe zerstört hat, eine entsprechende Narbe ausgebildet hat und es dann zur Senkung des Augeninnendruckes kommt. Da man mit dem Laser das Gewebe irreversibel zerstört, darf man nie zu viel Gewebe behandeln, weshalb die Laserdosis im Zweifelsfall zu niedrig gewählt wird. Aus diesem Grunde kann es erforderlich sein, dass die Zyklophotokoagulation ggfs. im Abstand von drei Monaten wiederholt werden muss. Die Zyklophotokoagulation ist in der Regel der letzte Schritt der Glaukomchirurgie, wenn alle anderen operativen Verfahren keine ausreichende Drucksenkung gebracht haben.
 


YAG-Iridotomie

Bei einer Einengung des Kammerwinkels kann mit dem Laser ein winziges Loch in der Regenbogenhaut (Iris) angelegt werden. Dadurch kann die Flüssigkeit im Auge besser zirkulieren und abfließen. Die YAG-Iridotomie wird vor allem bei einem Winkelblockglaukom angelegt. Aber auch bei den Offenwinkelglaukomen kann eine YAG-Iridotomie bei relativ eingeengtem Kammerwinkel zu einer Senkung des Augeninnendruckes beitragen. Sollte das Anlegen einer Iridotomie mit dem Laser nicht möglich sein, erfolgt in der Regel eine chirurgische Iridektomie.
 


Chirurgische Iridektomie

Bei der chirurgischen Iridektomie wird in einer kleinen Operation ein Löchlein in die Regenbogenhaut geschnitten. Dadurch kann die Flüssigkeit im Auge besser zirkulieren und abfließen. In der Regel erfolgt die chirurgische Iridektomie, wenn das Anlegen einer Iridotomie mit dem Laser nicht möglich ist.
 


Kataraktoperation

Sollte der Kammerwinkel, in dem die Flüssigkeit aus dem Auge abfließt, eingeengt sein, kann es sinnvoll sein, die natürliche Linse durch eine Kunstlinse zu ersetzen. Da die Kunstlinsen deutlich dünner sind als die natürliche Linse, entsteht nach der Operation mehr Platz im Auge und der Kammerwinkel kann sich nach der Operation wieder etwas öffnen. Dadurch kann es zu einer Senkung des Augeninnendruckes kommen. Die Kataraktoperation wird in der Regel als Operation zur Senkung des Augeninnendruckes erwogen, wenn die Linse ohnehin getrübt ist und der Augeninnendruck nicht allzu sehr erhöht ist.


Prof. Dr. med. Andreas Böhm

Chefarzt


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