Katarakt, oder auch „Grauer Star“

 

 

Begriffsherkunft:

Als „Grauer Star“ wird die Eintrübung der Augenlinse bezeichnet. Durch den entstehenden Grauschleier trübt sich das Sehen zunehmend ein. In der Extremform kann der Betroffene keine Einzelheiten mehr erkennen, er „starrt“ dann. Daher leitet sich der Begriff des „Grauen Stars“ ab.

 

Entstehung:

Den meisten Linsentrübungen liegt ein falscher Wassergehalt der Linse zugrunde. Beim häufigsten „Altersstar“ (Cataracta senilis) verliert die Augenlinse durch ein sehr langsames Wachstum zunehmend an Wasser, die Dichte der Linse steigt, bis dadurch die Linse zunehmend an Transparenz verliert und sich eintrübt. Ein entgegengesetzter Mechanismus ist z.B. bei Diabetes zu beobachten. Hier steigt der Wassergehalt der Linse an, da durch den erhöhten Zuckergehalt in der Umgebung der Linse hygroskopische Stoffe in der Linse gebildet werden, die für einen Einstrom von Wasser in die Linse sorgen. Der Effekt ist aber der gleiche wie bei der Cataracta senilis: die Linse trübt sich zunehmend ein. Jedoch gibt es noch andere Einflüsse, wie z.B. ionisierende Strahlen, Medikamente (Cortison), Infektionskrankheiten und Augenverletzungen, die die Entstehung der Cataract fördern oder auslösen können.

 

Symptome:

Typisch ist eine langsame, schmerzlose Verschlechterung des Sehens, die am besten als Verschwommensehen oder Nebelsehen zu bezeichnen ist. Durch die zunehmende Lichtstreuung in der trüben Linse nimmt die Blendungsempfindlichkeit zu. Ebenso kann sich die Brechkraft des Auges empfindlich ändern, wenn es zu starken Änderungen in der Linsendichte kommt (s.o.). Bei partiellen Dichteänderungen können auch leichte Doppelbilder bei Blick mit nur einem Auge entstehen. Doppelbilder, die nur beim gleichzeitigen Blick mit beiden Augen wahrnehmbar sind, haben aber andere Ursachen.

 

Therapie:

Die einzig wirksame Therapie gegen den Grauen Star ist ein Austausch der trüben Linse gegen eine neue und klare Linse aus Kunststoff (Katarakt-Operation). Ein Wiederaufklaren der einmal getrübten Linse ist nach heutigem medizinischen Stand nicht möglich.
 
Der etwa 10-15 minütige Eingriff wird in der Regel in einer örtlichen Betäubung durchgeführt, im dem entweder die Augenoberfläche mit Augentropfen betäubt wird (Tropfanästhesie), oder ein Betäubungsmittel durch das Unterlid neben das Auge gespritzt wird (Parabulbäranästhesie). Letztere Methode hat den Vorteil, dass sich das Auge durch die tiefe Wirkung der Spritze während der Operation nicht bewegen kann und damit die Operationssicherheit etwas größer ist. Die Tropfanästhesie hingegen verlangt zwar ein diszipliniertes Geradeausschauen während der OP um das Auge ruhig zu halten, ist aber auch bei Patienten möglich, die blutverdünnende Medikamente (ASS, Falithrom, Marcumar) nehmen und diese zur OP nicht absetzen können. Nur in sehr seltenen Fällen, vor allem wenn der Kopf während der OP nicht ruhig gehalten werden kann, ist eine Operation in Vollnarkose notwendig.

Die Entfernung der Linse erfolgt über ein sehr dünnes Saug-Spülrohr, das über einen nur 2,4 mm breiten Schnitt in das Auge eingebracht wird. An der Spitze dieses Rohres wird mit Hilfe von Ultraschall die trübe Linse verflüssigt (Phakoemulsifikation) und abgesaugt.
Dies geschieht innerhalb der natürlichen Hülle der Linse –der sogenannten Kapsel- die nur an der Vorderseite der Linse eröffnet wird. Die Kapsel der Linse wird nach Möglichkeit im Auge belassen, da sie als Träger der neuen Linse dient.

 

Kunstlinsen:

Die neue und kristallklare Linse, die als Ersatz der getrübten Linse in das Auge kommt, wird über den gleichen, winzigen Schnitt in das Auge eingebracht, über den auch die trübe Linse abgesaugt wurde. Dabei ist die Linse zunächst fein zusammengerollt und entfaltet sich erst im Auge zur eigentlichen Größe. Dieses Vorgehen garantiert die winzigen Schnitte, die in der Regel ohne Naht und ohne dauerhafte Störungen für das Auge verheilen. Die neue Linse stützt sich dann mit kleinen Haltebügeln in der Kapsel der natürlichen Linse ab, sitzt damit auch an der gleichen Stelle, wie die natürliche Linse auch, und kann dort ein Leben lang verbleiben. Die optische Stärke, also die Brechkraft der neuen Linse wird vorher über eine genaue Vermessung des Auges an die Wünsche des Patienten angepasst (Biometrie). Regelhaft werden dabei sogenannte monofokale Linsen verwendet. Dieser Linsentyp ermöglicht ein scharfes Sehen im Bereich einer vordefinierten Entfernung. Stark davon abweichende Entfernungen müssen dann durch ein spezielles Brillenglas ausgeglichen werden. Dieser kleine Nachteil wird jedoch durch die ausgezeichneten Abbildungsqualitäten der Linse kompensiert. Ein gleichzeitig scharfes Sehen in der Ferne und in der Nähe ohne ein extra Brillenglas ermöglichen Speziallinsen (multifokale Linsen), deren optisches Design durch meist zwei oder mehrere Brennpunkte charakterisiert ist. Dadurch entstehen auf der Netzhaut gleichzeitig und übereinander ein scharfes Bild der Ferne und eines der Nähe. Nach kurzer Gewöhnungsphase lernt das Gehirn, das jeweils passende Bild in den Vordergrund der Aufmerksamkeit zu bringen und das andere zu ignorieren. Nachteile dieser Linsen sind die etwas schlechtere Kontraststärke und zuweilen verstärktes Streulicht, welches nachts zu Blendungen führen kann.

Eine andere Art von Speziallinsen (torische Linsen) gleichen eine eventuell vorhandene Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) aus, ohne dass dabei die optischen Eigenschaften hinter der Qualität der monofokalen Linse zurückstehen. Ebenso sind multifokale und torische Linseneigenschaften auch in einer Linse miteinander kombinierbar (multifokal-torische Linsen).
Ist der graue Star bereits operiert worden und es besteht im Nachhinein der Wunsch einer der eben genannten Speziallinsen, können diese auch als hauchdünne Scheiben über die bereits vorhandene Kunstlinse gesetzt werden (Add-on-Linsen).
Sowohl multifokale, torische und multifokal-torische als auch Add-On-Linsen sind in der Regel keine Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse und sind zuzahlungspflichtig. Die genaue Höhe der Zuzahlung ist individuell sehr verschieden und nur in einem persönlichen Beratungsgespräch nach vorangegangener Untersuchung möglich.
 

Nachbehandlung:

Nach der Kataraktoperation sind antibiotische und antientzündliche Wirkstoffe notwendig, die meistens kombiniert als Augentropfen verabreicht werden können. Die Dauer und die Häufigkeit der Einnahme hängen von der individuellen Heilung ab. Der nachbehandelnde Augenarzt wird dies von Fall zu Fall entscheiden. Meist jedoch werden die Tropfen für ca. 4 Wochen gegeben.

 

Nachstar:

Im Regelfall verbleibt die Kapsel der natürlichen Linse als Aufbewahrungsort für die neue Kunstlinse im Auge. Diese Kapsel kann ebenfalls eintrüben, indem sie entweder durch Bindegewebe durchzogen wird (Kapselfibrose) oder verbliebene Linsenzellen sich auf der Kapsel vermehren und einen dichen, trüben Zellrasen entstehen lassen. Beide Arten dieser Trübungen, dem sogenannten Nachstar, können mit einer einfachen und völlig schmerzfreien Laserbehandlung innerhalb weniger Minuten beseitigt werden. Dabei entfernt der Laserstrahl die Kapsel mit den entsprechenden Trübungen aus der optischen Achse, so dass einige Stunden nach der Behandlung die Sehschärfe wieder deutlich ansteigt. Wie bei der Operation des Grauen Stars sollte auch zur Entfernung des Nachstars das eigene Auto zu Hause bleiben, da direkt nach der Behandlung die Sehschärfe kurzzeitig deutlich herabgesetzt sein kann.


Prof. Dr. med. Andreas Böhm

Chefarzt


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